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Miteinander reden » Just thinking » Rücken, Hutschnur, Wahrheit, Aber, That´s, Ecken

Miteinander reden

statt übereinander.

Ich versteh es nicht, ich muss hier mal Dampf ablassen.

Manche Leute sind anscheinend entweder zu feige, nicht erwachsen genug, mir gewisse Dinge ins Gesicht zu sagen.

Wenn ich das dann um drei Ecken zu hören kriege könnte mir glatt die Hutschnur platzen.

Über mich hinterm Rücken sprechen und dann auch noch nur die halbe Wahrheit von etwas weiterzutratschen, ätzend!!

Aber manche werden es wohl nie lernen. That´s life.

  1 comment for “Miteinander reden

  1. labertasche
    01.03.2015 at 15:15

    Wussten Sie, dass bereits die Urmenschen ganz groß waren im Lästern? Ja, ein Lästermaul zu sein liegt uns im wahrsten Sinne des Wortes in den Genen, denn es ist bereits immer und überall gelästert worden. Der britische Psychologe Robin Dunbar hat in seinen Studien hierzu sehr interessante Erkenntnisse gewonnen. Er beweist u.a., dass Lästern sogar den Ursprung unserer Sprache darstellt und somit ursprünglich etwas Positives war, obwohl es heute als etwas durchaus Negatives gilt. Lassen Sie uns näher hinschauen und überprüfen, in welchem Rahmen Lästereien sinnvoll sind und wann eher schädlich.

    Schimpansen tratschen nicht – okay, das ist keine besondere Neuigkeit für Sie. Neben dem Fressen verbringen sie vielmehr einen Großteil ihrer Zeit damit, sich gegenseitig das Fell zu pflegen und von lästigen Parasiten zu befreien. Diese Pflege hat vor allem eine soziale Funktion. Es entspannt, schafft Vertrauen und festigt Beziehungen. Unsere menschlichen Vorfahren jedoch waren nach kurzer Zeit bereits in so großen Gruppen organisiert, dass nicht mehr jeder bei jedem diese Fellpflege hätte machen können. Der Wissenschaftler Robin Dunbar sagt nun, dass die Sprache nun als Ersatz für die Fellpflege sozusagen „erfunden“ wurde, um die sozialen Verbindungen und den Austausch unter den immer zahlreicher werdenden Mitmenschen sicherzustellen. Dunbar´s Meinung nach ging es bei den ersten Versionen unserer Sprache also nicht um Teambesprechungen für neue Jagdstrategien, sondern um ganz alltäglichen Urmenschen-Klatsch.

    Warum das Lästern lebensnotwendig war

    Das Lästern an sich, sowie der neueste Klatsch und Tratsch, erfüllt die Funktion eines sozialen Warnsystems: Man erfährt über Dritte, wenn jemand boshaft oder hinterhältig ist – und hält sich von ihm fern. Das ist wichtig fürs Überleben und somit ein seit zehntausenden von Jahren bewährtes Sicherheitssystem. Was sich so lange Zeit bewährt, wird auch als genetische Information abgespeichert und an die nächsten Generationen weitergetragen, damit diesen dieses Schutzsystem auch zur Verfügung steht. Lästern isz also vom Ursprung her keine Charakterschwäche, sondern eine genetisch vererbte Überlebensstrategie. Dieser Fakt passt zwar nicht in unsere heutige Gesellschaft, wo jeder politisch korrekt und fair über andere sprechen will, aber unser Alltag zeigt, dass dies so gut wie keiner schafft. Auch wenn wir noch so sehr wollen – zumindest mental lästern wir ständig über andere, indem wir bewerten, beurteilen, kritisieren und vergleichen.

    Die Vorstellung, dass hinter unserem Rücken über uns getratscht wird, ist nicht sehr angenehm. Und doch tun wir es selbst ständig. Mehr als ein Drittel der Zeit, die wir miteinander sprechen, drehen sich die Themen um Personen, die gar nicht anwesend sind. Dies fand Robin Dunbar durch seine Studien bereits 1997 heraus. Er hatte mit seinem Forscherteam in Zügen, Bars und Einkaufszentren fremde Gespräche zu wissenschaftlichen Zwecken belauscht. Fast die Hälfte aller Plaudereien war reiner Klatsch und Tratsch über andere Leute. Dunbar wiederholte die Studie mehrmals, doch die Prozentzahlen blieben die gleichen, egal ob es sich bei den Belauschten um Männer oder Frauen, Jüngere oder Ältere handelte.

    Warum Negatives unsere Aufmerksamkeit stärker bindet

    In der 2006 erschienenen Studie des Psychologen Alex Mesoudi waren für die Probanden Geschichten, die sich um Themen wie Untreue oder Lügen drehten, nicht nur interessanter als andere, sie erinnerten sich auch besser an sie. Eine in der Fachzeitschrift “Science” erschienenen Studie zeigte das Forscherteam um Eric Anderson von der Northeastern University etwas sehr interessantes:
    Sie zeigten den Probanden unbekannte Gesichter zusammen mit positiven, neutralen oder negativen Informationen über deren soziales Verhalten. So hatte etwa jemand einer alten Dame beim Einkaufen geholfen, während ein anderer versuchte seinen Mitmenschen zu verletzen, indem er ihn mit größeren Gegenständen bewarf. In einem zweiten Durchlauf schauten die Teilnehmer dann durch eine Art Fernglas, bei der jedem Auge ein anderes Bild gezeigt wird. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Gesichter mit den negativen Informationen am schnellsten und längsten gesehen wurden, mit großem Abstand zu positiven und neutralen Gesichtern oder den Häusern. Sie schlussfolgern, dass Menschen, die einmal durch negatives Verhalten aufgefallen sind, danach ganz unmittelbar und unbewusst mehr Aufmerksamkeit bekommen als andere. Das ist für die Betroffenen zwar nicht so angenehm, aber durchaus sinnvoll für alle anderen.

    Was lernen wir daraus? Eine wichtige Funktion des Lästerns ist, möglichst schnell möglichst viel über andere Menschen zu lernen, ohne jeden von ihnen sehr gut kennen zu müssen. Von jemandem, der von anderen als unzuverlässig, boshaft oder hinterhältig eingeschätzt wird, hält man sich lieber gleich fern, bevor man die erste schmerzhafte Erfahrung macht, oder man geht zumindest vorsichtiger vor, als ohne diese Information.

    In Dörfern wird mehr gelästert

    Je kleiner eine Gemeinschaft ist, desto wichtiger ist die soziale Kontrolle. Darum lästern in kleinen Dörfern weitaus mehr Menschen als in der Stadt, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid an über 1000 Menschen herausfand. Während nach eigenen Angaben in Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern 35 Prozent der Bewohner mehrmals in der Woche über Nachbarn und Kollegen tratschen und lästern, waren es in Städten nur 24 Prozent.

    Ich persönlich kann Ihnen dieses Forschungsergebnis aus meiner Erfahrung im Profisport nur zu 100% bestätigen. Nirgendwo wird mehr gelästert als in einer verhältnismäßig kleinen Sportgemeinschaft, bestehend aus 15 oder 25 Spielern/innen, die täglich miteinander zu tun haben. Dies kommt auch durch einen weiteren Vorteil den der Einzelne als Teil der Gemeinschaft durch häufiges Tratschen erhält: Es ist der soziale Vergleich. Lästern über andere, kann nämlich auch dabei helfen, sich selbst besser zu fühlen. Lästern ist dann ein Weg mit zwei Zielen: Sich über andere zu erheben und gleichzeitig in sozial akzeptierter Form Dampf abzulassen. Genau an dieser Stelle können und müssen wir lernen uns zu kontrollieren. Denn heute besteht nicht unbedingt gleich eine Lebensgefahr wie früher zu Zeiten der Steinzeit, wenn wir über jemanden aus dem Dorf oder aus der Firma nicht alle Details wissen. Lästern ist allerdings auch heute noch genauso eine Form verbaler Aggression und kann damit auch viel Schaden anrichten. Nicht nur beim anderen (Stichwort „Mobbing“), sondern auch bei sich selbst.

    Lästern erfüllt heutzutage mehr und mehr einen machtpolitischen Zweck und weniger den Sinn des Informationsaustauschs, um selbst sicherer zu leben. Es geht in der Regel darum, soziale Machtverhältnisse zu erschaffen, was zur sozialen Isolation von Menschen führen kann, was enorme psychische Folgen für die Betroffenen hat. Wer heutzutage über jemanden lästert, kann davon ausgehen, sich damit selbst auf Dauer ins Abseits zu stellen. Denn Lästern dient heute mehr dem eigenen Statusdenken und der künstlichen Aufpolierung des angekratzten eigenen Selbstwertgefühls. Daher sind die Läster-Weltmeister in der Regel diejenigen, die selbst am wenigsten zufrieden mit sich selbst und ihrem Leben sind. Schon längst geht es nicht mehr um Sicherheitsaspekte, sondern vielmehr um die Befriedigung des eigenen Egos, durch die Herabsetzung anderer Menschen.

    Wer sich künstlich erhebt, indem er andere klein macht, schadet sich damit in letzter Instanz selbst. Denn die scheinbare Steigerung des eigenen Selbstwerts hat nicht stattgefunden. Die Lästerattacke wirkt eher wie eine künstliche Droge, um den eigenen Selbstwert kurzfristig zu pushen. Flaut dieser Effekt dann wieder ab (und das tut er innerhalb von wenigen Minuten, nach dem Lästergespräch), dann fühlt sich der Betroffene wieder genauso schlecht wie davor. Was ist die Folge? Man greift wieder zur Droge und lästert über kurz oder lang über Gott und die Welt. Die größten Lästermäuler die Sie kennen sind mit Sicherheit auch die verbittertsten, negativsten und unglücklichsten Menschen, die Sie kennen, stimmts? Prüfen Sie das doch einfach mal nach und erkennen Sie die Zusammenhänge.

    Aus diesem Grund lernen achten Sie in Zukunft auf Folgendes:
    Wenn Sie sich dabei ertappen, wie Sie gerade wieder über etwas oder jemanden lästern wollen, fragen Sie sich selbst davor nochmal, ob das was Sie jetzt sagen wollen, wirklich einen Nutzen für denjenigen hat, dem Sie es sagen wollen, oder nicht. Wenn Sie mit Ihren Aussagen vor etwas oder jemandem warnen können und das Ganze somit einen sozialen Nutzen mit sich bringt – okay. Wenn es aber nur dazu dient, Ihre inneren Aggressionen loszuwerden und andere Menschen herabzusetzen, dann lassen Sie es! Und unterbrechen Sie auch Ihre Mitmenschen dabei, wenn diese das in Ihrer Anwesenheit tun. In diesem Fall gilt es, einen anderen Weg zu finden. Man fühlt sich selbst nämlich nicht groß und glücklich, indem man andere klein und unglücklich macht. Die Lösung liegt im anderweitigen Abbau Ihrer inneren Aggressionen und in der Stärkung Ihres eigenen Lebensglücks. Achten Sie auch mal auf folgenden Zusammenhang: Je glücklicher und stärker sich ein Mensch fühlt, desto weniger ist er/sie am lästern

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